In ewiger Erinnerung an Luca

Ich bin Luca und 13 Monate und ein paar Tage alt. Ich bin ein ziemlich Hübscher und habe ein echt glänzendes schwarzes Fell. Meiner Familie mache ich eine wahnsinn's Freude, seit ich hier wohne. Ich höre oft sehr gut - na ja wenn ich Lust dazu habe - ich mag Wasser wie verrückt und ich bin so, wie man sich nen Labrador vorstellt, äußerlich jedenfalls. Meine Mama ist schon älter und hätte mich und meine Geschwister wohl gar nicht mehr bekommen sollen. Eigentlich hätte sie gar keine Baby's bekommen sollen. Meinen Papa, den kenne ich nicht,den hat die Mami sich wohl selber ausgesucht mit ihrem Herrchen. Ich kann also gar nicht sagen, wem ich ähnlich bin und von wem ich nun meine vorwitzige Art, meinen Sturkopf, meine treuen Augen, meine mittelschwere HD, meine Ed, die Spondylose, meinen kaputten Darm, die Nieren, und nun so, wie es aussieht, auch noch Rheuma habe. Nö, all das wissen wir nicht, weil da, wo ich her bin, keiner so genau irgendwas weiß.
Bis ich 6 Monate alt war, ging es mir echt prima, aber dann ziepte es hier mal im Bein, dann da mal im Rücken, aber die Menschen haben gedacht, ich wachse und bin deshalb so wie auf Eiern gelaufen. Wahrscheinlich haben die sich eine ganze Menge eingeredet. Als ich so 11 Monate alt war, da bin ich mit meinem Frauchen zum Röntgen gefahren und dann war sie ganz still und hat viel geweint. Es gab da so Worte wie "Wenn man nun was über die Ahnen wüsste…", "Wenn man nur besser geachtet hätte..." na aber nun war ich da und man musste nach Lösungen suchen. Ich bin jetzt ein Goldstück und damit gebe ich vor meinen Hundekumpeln ganz schön an. Das soll mir die Schmerzen nehmen, die ich in den Hüften habe und mir einfach noch ein bisschen ein schönes Leben machen. Turnen gehe ich auch, aber nicht so wie der Ben vom Hundeplatz, über Hürden und durch Tunnel, nein ich habe Einzelstunden, und werde dort wie der König persönlich massiert, darf kontrolliert schwimmen, alles damit meine Muskeln gut aufgebaut werden und es nicht so weh tut, wenn ich nach einer Stunde Schlafen am Nachmittag nicht mehr hochkomme. Medizin musste ich auch ganz Schreckliche nehmen, die hat nicht so gut geschmeckt, deshalb gab es Leberwurst dazu, die ist lecker, aber darf ich wirklich nur mit der Medizin, weil ich ja Diät halten muss, damit das Gewicht meine Knochen nicht noch weiter belastet. Manchmal bin ich dann natürlich gerissen und klaue, was mir zwischen die Zähne kommt. Ob nu ein Turnschuh von Gian, oder den Apfel aus der Schultasche, is egal.
Ich werde in Zukunft nicht mehr all die Sachen machen, die ich eigentlich vorhatte. Die Dummyarbeit, das war mein Ziel, mit Gian zu Ergotherapie gehen, damit er ruhiger bleibt - das ist er nämlich immer wenn ich dabei bin -, ich bin auch so sein Freund und immer für ihn da, aber weil ich so krank bin, darf ich nicht mehr mitkommen, weil die Menschen nicht wissen, wie ich reagiere, falls mich mal wer knufft so unverhofft oder anrempelt. Da in der Praxis sind ja auch viele kleine Kinder, die können ja nicht wissen, wie dolle mir das alles weh tut. Rennen kann ich auch nicht mehr so sehr, danach habe ich immer schlimme Schmerzen in den Beinen und kann schlecht aufstehen. Neulich kam ich nicht hoch, und meine Frauchen war nicht da, ich habe wirklich versucht es zu halten - weil es mir ja unangenehm ist, wenn ich anderswo als draußen Pipi mache - aber es ging nicht, und ich kam nicht hoch. Mensch, das war mir soooo peinlich, aber die Beine taten mir so weh, das ich nicht aufstehen konnte, so mussten sie mich dann baden und fönen, aber danach habe ich mich dann unter mein Rotlicht legen dürfen, das wärmt mich und tut mir gut. Auch wenn Frauchen und Herrchen manchmal meckern, weil die Nachbarn bei all dem roten Licht sonst was denken müssen. Ich bin das Sparschweinchen der Familie und die haben in den letzten 9 Wochen 978 Euro in mich reingesteckt.

All das hätte man sich vielleicht sparen können, wären meine Eltern gesunde Hunde gewesen. Ich weiß nicht, wie alt ich werde, heute hat mein Doktor gesagt, dass es nicht sehr alt sein wird, aber eins habe ich MEINEN Menschen Steph, Joe, Gian und Lilly mitgegeben: Eine gute Portion Verstand, Wut auf alles, was sinnlos verpaart, und einen dicken Kloß im Hals, wenn sie daran denken, mich vielleicht nicht mit grauer Schnauze neben sich liegend, sondern von oben wachend auf sie hinab zu gucken, in Erinnerung zu haben.

Luca, ein Vermehrerhund im Mai 2004


Aus Liebe zu dir, aus unserer absoluten Achtung vor deinem Leben haben wir dich am 2.6.2004 schweren Herzen's gehen lassen. Dein Leiden war teilweise nicht mit anzusehen. Wir haben viel gelernt in dieser Zeit mit dir, du hast uns unendlich viel gegeben und es war unsere Pflicht dich mit Würde gehen zu lassen.

Du reißt ein tiefes Loch in unser Leben, und füllst es mit allem, was dich ausgemacht hat. Liebe dich, mein Lakritzhund!
Stefanie





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